Operation bei eingewachsenem Fußnagel

In den meisten Fällen kann ein eingewachsener Fußnagel konventionell behandelt werden, eine OP wird häufig nur als letzte Alternative durchgeführt. Aus diesem Grund ist es wichtig, umgehend mit einer Behandlung zu starten, wenn ein Fußnagel beginnt, einzuwachsen. Man kann es zunächst selbst versuchen, doch wenn es nicht klappt und spätestens, wenn stärkere Schmerzen und Rötungen hinzukommen, sollte man einen Arzt oder besser einen Podologen aufsuchen.

Den Nagel ohne OP korrigieren?

Eingewachsener Fussnagel mit Verband nach einer Operation
Es gibt viele Möglichkeiten, einen eingewachsenen Fußnagel ohne Operation zu behandeln. Dies hängt maßgeblich ab von der Dauer und Schwere der Entzündung. Ganz zu Anfang, oder wenn ein Nagel etwa zu kurz geschnitten wurde, kann es ausreichend sein, ihn wieder in die richtige Wuchsrichtung zu bringen, bis er gesund nachgewachsen ist.

Hilfreich kann hier eine Tamponage sein, bei der Watte oder ein spezielles Vlies vorsichtig in den Nagelfalz geschoben wird.

Eine Alternative dazu ist das Tapen. Hierbei wird ein sogenanntes Nagelfalz-Tape an einer Zehenseite befestigt, unter Zug unter dem Zeh herumgeführt und an der anderen Seite ebenfalls befestigt.

Beide Varianten schaffen eine schnelle Linderung der Schmerzen, bieten Druckentlastung und der Nagel erhält genügend Platz zum Nachwachsen. Ähnlich ist die Behandlung mit einer Nagelkorrekturspange, welche von einem Podologen angesetzt wird. Sie besteht aus einem Draht, wird auf der Nagelplatte fixiert und in der Mitte verschlungen. Das bewirkt, dass die seitlichen Nagelränder leicht angehoben werden, was den Druck und die Schmerzen nimmt und das Wachstum auf Dauer korrigiert.

Sind die Beschwerden schon stärker oder liegen dauerhafte Entzündungen vor, sollte lieber ein Podologe hinzugezogen werden. Er kann für die jeweilige vorliegende Problematik die passende Therapie auswählen. Dies ist auch dann sinnvoll, wenn ein Nagel häufig einwächst.

Bleibt die Therapie allerdings längere Zeit erfolglos oder ist die Ausgangssituation sehr schlecht, kommt man wahrscheinlich um eine Operation nicht herum, so dass ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Operieren oder nicht – ist ein chirurgischer Eingriff notwendig?

Ob ein eingewachsener Nagel einen chirurgischen Eingriff nötig macht, kann am besten der behandelnde Arzt oder Podologe entscheiden.

Meist ist es dann der Fall, wenn alle anderen Maßnahmen nicht zu einer Besserung beigetragen haben oder das Problem schon so weit fortgeschritten ist, dass keine andere Möglichkeit mehr besteht, als zu operieren.

Bei Patienten, die immer wieder unter eingewachsenen Nägeln leiden, zum Beispiel bei deformierten Nägeln, kann eine Operation eine dauerhafte Lösung sein.

Nagelbettverkleinerung Operation (Emmert-Plastik)

Die am häufigsten angewandte Operation bei eingewachsenen Nägeln ist eine Nagelbettverkleinerung, die sogenannte Emmert-Plastik. Sie ist besonders geeignet für Menschen, die regelmäßig an einem eingewachsenen Fußnagel leiden.

Bei der Emmert-Plastik wird das gesamte seitliche Nagelbett entfernt und der Nagel damit um etwa ein Fünftel verschmälert. Das ist wesentlich für den dauerhaften Erfolg der Operation, denn nur dann kann sich im seitlichen Bereich kein neuer Nagel mehr bilden und demzufolge auch nicht mehr einwachsen.

Ablauf der Emmert-Plastik
  1. Bei der kleinen Operation wird der entzündete Zeh zunächst lokal mit einer Spritze betäubt.
    Eingewachsener Zehennagel mit Spritze betäubt
  2. Sobald die Wirkung der Spritze einsetzt, nach etwa 5-10 Minuten, wird mittels Skalpell die Entzündung und das wuchernde Gewebe abgetrennt.
    Eingewachsener Zehennagel wucherndes / wildes Fleisch abtrennen
  3. Danach wird etwa ein Fünftel des Nagels seitlich entfernt. Wichtig ist dabei, das Nagelbett an dieser Stelle vollständig zu entfernen, damit in diesem Bereich kein Nagel mehr nachwächst.
    Eingewachsener Zehennagel vollständig entfernen
  4. Durch den schmäleren Nagel wird das Risiko eines erneut einwachsenden Nagels stark minimiert, ebenso der Druck des verbliebenen Restnagels auf die seitliche Zehe.
    Eingewachsener Zehennagel schmaler machen
  5. Zuletzt wird die Wunde durch zwei Nähte wieder geschlossen und ein Verband angelegt.
    Eingewachsener Zehennagel Verband anlegen

Nagelplatte entfernen (Keil- oder Wedge-Resektion)

Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Keil- oder Wedge-Resektion. Hierbei wird nur der betroffene Teil der Nagelplatte operativ entfernt, was zwar zu einer sofortigen Besserung führt, auf lange Sicht aber nicht vor erneutem Einwachsen schützt. Diese Methode wird nur noch selten angewandt, ebenso wie das komplette Ziehen eines Nagels, was mittlerweile so gut wie gar nicht mehr gemacht wird.

Der Unterschied zur Emmert-Plastik liegt im wesentlichen darin, dass nicht nur der betroffene Teil des Fußnagels entfernt wird, sondern auch den obere Teil vom Nagelbett. (Siehe die Infografik)

Eingewachsener Zehennagel Unterschied Keil- oder Wedge-Resektion zu Emmert Plastik

Vollnarkose oder lokale Betäubung?

Für die OP ist im Normalfall keine Vollnarkose notwendig, da sie zu der Art der Operation in keinem Verhältnis steht. Es reicht eine örtliche Betäubung des betroffenen Zehs aus. Diese Betäubung macht die Behandlung fast völlig schmerzfrei und hält auch danach noch einige Stunden an. Allerdings ist das Setzen der Spritze mitunter schmerzhaft, wenn der Chirurg das Betäubungsmittel zu schnell in den Zehen spritzt und damit Druck auf diesem lastet. Ein langsame Einspritzen vermindert den Schmerz.

Ist der Zeh allerdings auch von einer eitrigen Entzündung betroffen, kann es sein, dass das Betäubungsmittel nicht ganz so gut wirkt und noch Schmerzen zu spüren sind. In Einzelfällen ist eventuell auch eine Vollnarkose möglich, deren Kosten dann allerdings meist selbst getragen werden müssten.

Schmerzen nach der Operation

Da das Nagelbett mit vielen Nervenenden verknüpft ist, können die Schmerzen nach der Operation intensiv sein. Besonders wenn die Betäubung nachlässt, kann es für den Patienten sehr unangenehm werden. Vor allem, wenn man den Fuß nach unten hält und das Blut in den Zehen schießt.

Daher ist es wichtig, eine starke Schmerztablette bereits dann einzunehmen, sobald die Wirkung der Betäubung nachlässt und nicht erst, wenn es unerträglich wird.

Damit lassen sich starke Schmerzen gut in Schach halten.

Fäden ziehen nach OP

Bei der Emmert-Plastik wird ein Teil der Nagelmatrix entfernt, was bedeutet, dass der Zeh dazu aufgeschnitten werden muss. Dieser Schnitt wird anschließend mit zwei kleinen Nähten verschlossen. Durch eine kleine Öffnung kann das Wundsekret abfließen.

Das Ziehen der Fäden erfolgt dann nach etwa 8 bis 14 Tagen.

Nagelbettverkleinerung Operation eines eingewachsenen Zehennagels

Komplikationen nach der Operation

Wie bei jeder Operation kann es auch bei der Nagelbettverkleinerung zu Komplikationen kommen. Am häufigsten treten Wundheilungsstörungen oder erneute Entzündungen auf. Auch haben Menschen mit Vorerkrankungen, bspw. Diabetiker, oder immunabwehrgeschwächte Patienten generell ein größeres Risiko einer erneuten Infektion. Ein Antibiotikum, welches bereits vor der Operation eingenommen wird, kann hierbei hilfreich sein.

Wie lange krank nach OP?

Je nach dem, wie kompliziert und umfangreich die OP war, muss man mit einem Krankenschein von anderthalb bis zwei Wochen rechnen. In den ersten Tagen nach der OP sollte der Fuß immer hoch gelagert werden und darf nicht belastet werden. Es ist empfehlenswert, einen Vorfuß-Entlastungsschuh zu tragen, dieser unterstützt die Ruhigstellung.

Zwei Tage nach dem Eingriff findet der erste Verbandwechsel statt, danach je nach Notwendigkeit und Ermessen des Arztes. Außerdem ist es ratsam, sich in den nächsten Wochen regelmäßig podologisch behandeln zu lassen, denn nur durch diese konsequente Weiterbehandlung und Kontrolle ist ein Erfolg des Eingriffs gewährleistet.

Kann der Nagel erneut einwachsen?

Ja. Auch nach einer erfolgreichen Operation ist das Risiko eines eingewachsenen Nagels immer noch gegeben, aber minimiert. Allerdings kann man durch eigenes Zutun einem erneuten Einwachsen gut vorbeugen, indem der Nagel richtig geschnitten und gepflegt wird und zusätzlich auf gutes Schuhwerk mit ausreichend Platz für die Zehen geachtet wird.

Kosten für die OP

Die Kosten für eine OP am eingewachsenen Nagel werden von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten, die für die späteren Nachsorge-Termine beim Podologen entstehen, müssen in den meisten Fällen selbst übernommen werden. Eine Ausnahme besteht nur, wenn eine Erkrankung wie etwa Diabetes besteht.

Welcher Arzt macht das?

Operative Eingriffe an den Nägeln werden von Chirurgen, Orthopäden oder Dermatologen, die auch operativ tätig sind, ambulant durchgeführt. Dies entweder in der eigenen Praxis oder einer entsprechenden Abteilung im Krankenhaus.

Operation mit Laser möglich?

Eine etwas neuere Methode zur Beseitigung von eingewachsenen Fußnägeln ist eine Operation per Laser. Auch hierbei wird ein Teil der Nagelmatrix entfernt. Der Vorteil gegenüber einer Schnitt-OP ist, dass besonders zielgenau gearbeitet werden kann, weniger Schmerzen auftreten und dabei kein direkter Schnitt durchgeführt wird, was keine Narbe hinterlässt. Außerdem ist der Heilungsprozess verkürzt und die Erfolgschancen liegen höher als bei einer gewöhnlichen Operation. Allerdings werden die Kosten für eine Laser-OP in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen, es sollte aber trotzdem vorab nachgefragt werden.

Empfehlenswerte Fachkliniken

Steht eine OP an, möchte man sich natürlich in die besten Hände begeben. Deshalb ist es ratsam, sich vorab gründlich zu informieren, wo eine solche Operation durchgeführt wird und sich möglichst viele Erfahrungsberichte einzuholen. Da man nach der OP nicht selbst Autofahren kann und für die regelmäßige Nachsorge während der ersten Tage ist es besser, wenn der behandelnde Arzt oder die Klinik nicht zu weit vom Wohnort entfernt liegt. Der Hausarzt oder Podologe kann hierzu auch Auskunft erteilen und entsprechende Stellen und Fachkliniken empfehlen.

Zehennagel